SS Central America: die Geschichte des versunkenen Goldschiffs
Gold aus dem kalifornischen Goldrausch wurde Teil einer der dramatischsten Geschichten überhaupt – des Untergangs eines Schiffes, das man das „Ship of Gold“ nannte. Sein Schatz lag über 130 Jahre auf dem Grund des Atlantiks, und seine Wiederentdeckung endete in einem Rechtsstreit, einer Flucht vor der Justiz und langen Jahren in Haft.
Die Katastrophe im Hurrikan (1857)
Im September 1857 fuhr der Raddampfer SS Central America von der Küste Panamas in Richtung New York – an Bord mehr als 15 Tonnen Gold aus dem kalifornischen Goldrausch. Vor der Küste der Carolinas geriet das Schiff in einen Hurrikan und sank am 12. September 1857. Von den 578 Menschen an Bord überlebten nur 153.
Ein wirtschaftlicher Schock: die Panik von 1857
Zum Zeitpunkt des Untergangs hatte das Gold an Bord einen Wert von rund 2 Millionen Dollar. Der Verlust dieses Goldes, das die Reserven der New Yorker Banken stärken sollte, gilt als eine der größten wirtschaftlichen Katastrophen der amerikanischen Seefahrt und trug zum Ausbruch der Finanzpanik von 1857 bei, die die US-Wirtschaft in eine schwere Rezession stürzte.
130 Jahre auf dem Meeresgrund
Das Wrack blieb mehr als 130 Jahre verschollen, umgeben von Legenden über einen spurlos verschwundenen Schatz. Seine genaue Position war die ganze Zeit unbekannt.
Die Entdeckung 1988: Tommy Thompson und der Roboter Nemo
1988 gelang es dem amerikanischen Meeresingenieur Tommy Thompson, das Wrack der SS Central America wiederzufinden. Sein Team setzte ein eigens gebautes, ferngesteuertes Tauchfahrzeug namens „Nemo“ ein und barg aus der Tiefe Tausende Münzen und Hunderte Goldbarren.
Streit mit den Investoren und Flucht vor der Justiz
Investoren hatten die Expedition mit rund 12,7 Millionen Dollar finanziert. Das geborgene Gold wurde später für rund 50 Millionen Dollar verkauft – die Investoren erhielten laut einer Klage von 2005 jedoch keinen Ertrag aus ihrer Einlage. Als Thompson 2012 vor Gericht erscheinen sollte, blieb er dem Termin fern und tauchte für rund zwei Jahre unter.
Jahre in Haft wegen Schweigens
2015 wurde Thompson in Florida gefasst, wo er unter falscher Identität lebte. Anschließend verbrachte er rund ein Jahrzehnt in Haft – nicht nur wegen des Betrugs an den Investoren, sondern vor allem wegen Missachtung des Gerichts, weil er sich weigerte, den Verbleib von 500 Goldmünzen im Wert von rund 2,5 Millionen Dollar preiszugeben. Wo sich diese Münzen befinden, ist bis heute nicht öffentlich bekannt.
Was man daraus lernen kann
Die Geschichte der SS Central America zeigt auf extreme Weise, wie kompliziert und riskant Goldbesitz sein kann, den man nicht selbst in den Händen hat – ob es sich um einen Schatz auf dem Meeresgrund handelt oder um eine Anlage, die einem unzuverlässigen Dritten anvertraut wurde. Ein ähnliches Gegenparteirisiko behandelt der Artikel Risiken von Gold-Sparplänen.
Häufige Fragen
Wurde das Gold der SS Central America den Investoren zurückgegeben?
Nein, nach verfügbaren Informationen erhielten die Investoren, die die Expedition finanziert hatten, trotz Gerichtsverfahren gegen Thompson keinen Ertrag aus dem Verkauf.
Wo sind die restlichen 500 Goldmünzen heute?
Das genaue Versteck ist nicht öffentlich bekannt – Thompson weigerte sich, es preiszugeben, selbst nach Jahren in Beugehaft.
Warum gilt der Untergang als so bedeutendes Wirtschaftsereignis?
Der Verlust einer großen Menge Gold, das die Bankreserven in New York stärken sollte, vertiefte die Vertrauenskrise im Bankensektor und trug zur Panik von 1857 bei, einer der ersten weltweit verflochtenen Finanzkrisen.
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Über den Autor
Adolf Baumann, Analyst bei der Baumann Group a.s. (GOLDU), beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit Edelmetallen. Er hat an den Märkten Euphorie, Crashs und Panik erlebt – und es macht ihm immer noch Spaß. Er erklärt verständlich, was den Gold- und Silberpreis bewegt und wie man mit Edelmetallen ohne unnötige Fehler umgeht. Seine Schwäche? Er will keinen Anzug tragen.



